Review: "Darm mit Charme" von Giulia Enders

10/15/2014

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich sehr sehr sehr sehr lange kein Buch mehr gelesen habe (shame on me!). Zu meiner Verteidigung: Ich musste während meiner Bachelorarbeit so viel Literatur bearbeiten, dass mir nach Fertigstellung einfach nicht mehr so nach Lesen war.
Meine Leselust ist aber glücklicherweise wieder zurück gekehrt und da ist mir das Buch "Darm mit Charme" von Giulia Enders in die Hände gefallen.


Zu aller erst finde ich es bewundernswert, wenn Menschen eine große Leidenschaft für ein Thema besitzen und sich diesem sehr intensiv widmen UND wenn es dann noch um die Themen Gesundheit, Ernährung und Körperfunktionen geht, hat man mich ja sofort um den Finger gewickelt. Ich hatte bevor ich das Buch las, des öfteren von dem Problem gehört, dass der Darm und dessen Gesundheit in der Medizin unterschätzt wird. Dass eine gestörte Darmflora nicht nur die Lebensqualität im Allgemeinen stark beeinflusst, sondern auch Depressionen verursachen kann, war mir auch nicht neu. Trotzdem hat mich besonders die Erzählweise der Autorin angesprochen, denn sie hat ein Talent dafür, dem "einfachen Volk" ;) komplexe medizinische Kentnisse zu vermitteln. Wie ist der Darm eigentlich aufgebaut? Welche Bakterien tummeln sich so in uns herum? Wie interagieren Hirn und Darm miteinander? Ich finde das Thema sehr interessant und wurde auch nicht enttäuscht. Ich denke, man sollte jedoch ein Grundinteresse für die Thematik besitzen, sonst bleibt man während des Lesens nicht am Ball. Die lustigen Anekdoten und Vergleiche lockern das Lesen der biologischen Prozesse, die sich so im Körper abspielen, jedoch ungemein auf, so dass auch Wissenschaftsmuffel sich mit den Inhalten gut identifizieren können.

Und jetzt das ABER:

Ich habe das ganze Buch über darauf gewartet, dass endlich eine Art Lösung für die ganzen Darmprobleme aufgezeigt wird. Ein paar Tipps zur Stärkung der Darmflora wurden angesprochen, jedoch kam das Thema Ernährung VIEL VIEL zu kurz. Natürlich ist Giulia Enders keine Ernährungswissenschaftlerin, aber dadurch fehlte mir am Ende des Buches einfach die Umsetzbarkeit des nun erworbenen Wissens. Was können Menschen, die eine gestörte Darmflora haben, eigentlich machen, außer Tabletten zu sich zu nehmen? Wie kann man seinen Darm stärken, bzw. schützen? Wie trägt die westliche Ernährung zur Darmgesundheit bei? Schadet sie?

Das ABER im aber:

Trotz dieser Kritikpunkte macht das Buch auf ein wichtiges Problem aufmerksam, denn es zeigt, dass der Darm noch ein sehr unerforschtes Gebiet ist, welches hoffentlich in den nächsten Jahren noch intensiver untersucht wird. Guilia Enders setzt mit diesem Buch ein wichtiges Statement - die Darmgesundheit ist wichtiger, als bisher angenommen - und schafft es gleichzeitig die Thematik für alle Menschen greifbarer zu machen. Menschen sprechen ja tendenziell eher ungern über das Zeug, was aus ihnen rauskommt. Da das Buch jedoch mittlerweile sehr beliebt ist, scheint ein Grundinteresse ja immerhin vorhanden zu sein, denn viele Menschen wollen ja auch verstehen, was in ihnen so vor sich geht.
Ich finde es außerdem beachtlich, dass sie die Lehrbuchfakten ihres Medizinstudiums hinterfragt, das ist leider (unabhängig vom Studiengang) keine Selbstverständlichkeit und schon allein deshalb zolle ich ihr meine hohe Anerkennung. :)
Deshalb gibt es von mir auch 4 1/2 von 5 Sternen.


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